Wenn mein Job und meine Rolle als Mutter oder Vater nicht mehr zusammenpassen…

„Vielleicht hätten wir uns vor der Geburt unseres ersten Kindes mal drüber unterhalten müssen, wie wir uns mit Kind beruflich aufteilen möchten.“ – „Ich hätte eigentlich wissen müssen, dass ich diesen Beruf mit Kindern gar nicht ausüben kann, weil er mich ja schon ohne Kinder an meine Grenzen bringt.“ – „Wir hätten von Anfang an eine gerechtere Rollenverteilung etablieren müssen. Dann wäre das Problem mit dem Verdienstunterschied gar nicht entstanden.“ – „Hätte ich neben den Kindern mehr Zeit gehabt, meine Selbstständigkeit auszubauen, wäre ich gar nicht in diese berufliche und energetische Sackgasse geraten.“

Fakt ist: Es ist einfach passiert. Für ein „hätte“ ist es zu spät. 

Viele Paare, die ein Kind erwarten, diskutieren vor seiner Geburt lange über die Wandfarbe des Kinderzimmers, welche Bauchtrage die Beste ist, Beistellbett oder Familienbett. Doch welche angehenden Eltern sprechen wirklich offen darüber, wie sie sich ihre zukünftige Berufstätigkeit und dessen Aufteilung mit einem Kind vorstellen?

Wie auch? Die Vorstellung, ein Kind zu haben, das 24/7, 7 Tage die Woche, 4 Wochen im Monat, 12 Monate im Jahr Betreuung, Aufsicht, Liebe und Zuwendung benötigt, liegt außerhalb unserer Vorstellungskraft. Dieses Kind knallt mit einer viel zu kurzen Vorlaufzeit in unser Leben und macht sich dort breit. Und ab sofort befinden wir uns für einige Jahre nur noch im Reaktionsmodus.

Also ist es nicht verwunderlich, dass so viele (vor allem, aber nicht ausschließlich Mütter) nach dem Mutterschutz und der Elternzeit einfach so weitermachen wie vor ihrem Eintritt ins Mutter-Dasein. 

Ein bis zwei Jahre läuft es ganz gut, aber spätestens, wenn das zweite Kind unterwegs wird, wird es wirklich kompliziert. Wer bleibt zu Hause, wenn das Kind krank ist? Oder mal eher abgeholt werden muss, weil es nachts einfach zu schlecht geschlafen hat? Wann erledige ich die Arbeit, die vor meinem Feierabend liegengeblieben ist. Wie teilen wir uns die Haushaltsarbeit auf? 

Bei mir hat sich an diesem Punkt in meinem Leben – kurz nach der Elternzeit meiner Zwillinge – eine immer größer werdende Unzufriedenheit mit meinem Job eingestellt. Ich konnte zu wenig Zeit in die Arbeit stecken, um nennenswert Geld zu verdienen. Dauernd hatte ich das Gefühl, nicht gut genug in meinem Job zu sein. Ich fühlte mich überfordert und ausgelaugt. Ich konnte die Leidenschaft, mit der meine Kollegen ihren Job machten, nicht mehr nachvollziehen. Bisweilen machte mich ihr tunnelhafter Fokus auf ihren Job sogar aggressiv. Ich war immer pampiger gegenüber meinem Partner, auch wenn ich nicht mit ihm hätte tauschen wollen (und so viel weniger Zeit mit den Kindern verbringen können). 

Und dann war da die Erkenntnis: Ich liebe meinen Job. Ich liebe aber auch meine Familie. Für die Lebensphase, in der ich mich gerade befinde, brauche ich eine Arbeit, in der ich Beidem gerecht werde. Nur so kann ich glücklich sein.

 

Und du? Warst du in deiner Berufstätigkeit schon mal an einem ähnlichen Punkt?

Ich freue mich über deine Kommentare!

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