Vorfreude

“Freust du dich schon auf das Gymnasium?“ frage ich meine Tochter. Sie geht in die vierte Klasse und das Thema Schulwechsel ist bei uns derzeit brandaktuell.

Zögern. Doppeltes hm-hm. Wegschauen.

Sie: „Kann ich nicht vielleicht doch auf eine andere Schule gehen? Ich glaube, im Gymnasium ist es mir zu schwierig. Da komme ich bestimmt nicht mit.“

Ich stutze, schließlich war sie schon immer eine Schülerin, der (zumindest schulisch) alles sehr leichtgefallen ist. Also frage ich vorsichtig: „Wer sagt das?“

Sie: „Alle. Die Lehrer, meine MitschülerInnen…Sie sagen dauernd, dass es auf dem Gymnasium viel schwieriger ist als auf der Grundschule.“

Mir kommt das plötzlich bekannt vor: Als sie und auch meine beiden jüngeren Kinder in die Schule kamen, mussten sie sich ab und an Sätze wie „Na? Bald beginnt der Ernst des Lebens.“ oder „In der Schule darfst du das und das aber nicht mehr machen.“ oder „Das ein ganz anderer Schnack als der Kindergarten.“ anhören. Und jetzt kommen diese Sätze wieder – leere Phrasen, die nichts können außer Sorgen zu entfachen, wo eigentlich Neugier und Vorfreude sein sollte.

Warum können wir (und/oder alle schlauen Tanten, Onkels und NachbarInnen) uns nicht einfach mit unseren Kindern über dieses spannende, neue Etwas, das vor ihnen liegt, freuen? Würde dies uns vielleicht sogar helfen, unsere eigene Unsicherheit vor diesem neuen Lebensabschnitt zu mindern?

Ich versuche es bei meiner Tochter mit: „Du wirst eine gute Zeit haben auf dem Gymnasium. Wir sind bei dir. Wir unterstützen dich, so wie wir es auch in der Grundschule getan haben, damit du mit jeder neuen Herausforderung ein Stückchen wachsen kannst.“ Zögerliches Nicken. Erleichtertes Lächeln. Und dann:„Können wir jetzt was spielen?“

Hast du oder hat dein Kind auch schon mal solche (vor)freudlosen Sätze gehört?

 

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